
Die Konfliktanalyse
Ein Werkzeug zur Selbsthilfe in Konfliktsituationen
Dieser Leitfaden dient der Selbsthilfe in Konfliktsituationen — um die gegenwärtige Lage sowie vergangenheits- und zukunftsorientierte Aspekte zu betrachten. Mit dieser Konfliktanalyse gewinnen Sie bei emotional aufgeladenen Konflikten wieder Boden unter den Füßen und einen möglichst objektiven Eindruck von der Situation.
Beschränken Sie sich dabei bewusst auf neutrale Informationen. Daraus lassen sich zutreffende Handlungsstrategien und wirkungsvolle Maßnahmen entwickeln.
In 3 Schritten zu einer wirksamen Konfliktanalyse
Schritt 1: Der gegenwärtige Zustand
Einordnung des Konflikts: In welchem Bereich findet der Konflikt statt — Gruppe, Team, System? Welche Intensität verspüren Sie (orange, hellrot, rot, dunkelrot)? Welche Eskalationsstufe liegt nach dem Modell von Friedrich Glasl vor? Welche Rahmenbedingungen bieten den Nährboden für den Konflikt — etwa zu viele Überstunden oder fehlende Führung?
Die Beteiligten: Wer ist am Konflikt beteiligt? Wie verhalten sich die Beteiligten? Wer schürt den Konflikt, wer trägt zur Beruhigung bei?
Dynamik und Reichweite: Welche Dynamik liegt dem Konflikt zugrunde — tritt er in Wellen auf, oder ist er permanent? In welche angrenzenden Bereiche hat der Konflikt bereits übergegriffen — und welche könnten zukünftig betroffen sein?
Schritt 2: Die Vergangenheit
Entstehung: Wann haben Sie den Konflikt das erste Mal wahrgenommen? Wann genau ist er entstanden? Welche Ursachen liegen ihm zugrunde?
Wiederholung: Welche Rahmenbedingungen gab es, damit dieser Konflikt überhaupt entstehen konnte? Gab es bereits ähnliche Konflikte, die sich jetzt wiederholen?
Schritt 3: Ein hypothetischer Blick in die Zukunft
Wenn der Konflikt ungelöst bleibt: Welche personellen und ökonomischen Konsequenzen entstehen — kurz-, mittel- und langfristig? Welche angrenzenden Bereiche könnten zukünftig noch betroffen sein?
Wenn der Konflikt gelöst wird: Was würde sich verändern? Welche Ergebnisse können Sie sich vorstellen — und welche wünschen sich die Konfliktparteien sowie die unmittelbar Beteiligten?
Der Weg dorthin: Welche Lösungsansätze und Alternativen gibt es bereits? Was müsste getan werden, um diese zu realisieren?

Was diese Analyse leisten kann — und was nicht
Wenn es Ihnen gelingt, die unterschiedlichen Aspekte der Konfliktsituation wertschätzend und mit ausreichend Zeit zu betrachten, nimmt das der Situation einen Teil ihrer Dramatik. Sie gewinnen einen realistischeren Blick — und gehen gestärkt aus dem Prozess hervor.
Diese Konfliktanalyse ist ein Werkzeug zur Selbsthilfe. Manchmal reicht sie bereits aus, um Klarheit zu gewinnen. Manchmal zeigt sie aber auch: Die eigene Position ist zu nah am Konflikt, um wirklich objektiv zu bleiben — und ein Blick von außen wird gebraucht.
Was Sie jetzt tun können
Sie haben die Konfliktanalyse durchgearbeitet und merken: Sie kommen allein nicht weiter?
Sie stehen vor einer Mediation und möchten sich mit dieser Analyse darauf vorbereiten?
