Konfliktkosten in Unternehmen

Konfliktkosten in Unternehmen

Konfliktkosten in Unternehmen

Was Konflikte tatsächlich kosten — und warum diese Kosten meist unsichtbar bleiben

Konfliktkosten in Unternehmen erreichen nach einer KPMG-Studie regelmäßig 20 Prozent der Personalkosten. Diese Zahl steht selten in einer Bilanz — und genau das macht sie so wirksam: Was nicht ausgewiesen wird, wird auch nicht gesteuert.

Überall dort, wo Menschen zusammenarbeiten, treffen unterschiedliche Persönlichkeiten, Arbeitsweisen, Meinungen und Wertvorstellungen aufeinander. Reibungsverluste sind die Folge — mit erheblichem wirtschaftlichem Schaden auf Unternehmensseite. Angesichts wachsenden Wettbewerbsdrucks wird es zunehmend wichtiger, genau dieses Potenzial zu erschließen: Kostenreduktion muss dort ansetzen, wo bislang kaum hingeschaut wird.

Was die Zahlen zeigen

Die KPMG-Konfliktkostenstudie wertete die Daten von 111 Unternehmen aus und identifizierte neun Kostenbereiche, gebündelt in einem „Circle of Conflict“ auf den Ebenen Person, Team und Organisation. In allen drei Bereichen entstehen ungeplante Einbußen durch Konflikte — in unterschiedlicher Höhe, aber durchgängig vorhanden. Die meisten Unternehmen tun sich dabei schwer, konkrete Zahlen zu nennen — was die Kosten nicht kleiner macht, nur unsichtbarer.

Das Ergebnis im Einzelnen ist deutlich: 10 bis 15 Prozent der Arbeitszeit in einem Unternehmen werden für Konfliktbewältigung aufgewendet. Bei Führungskräften sind es 30 bis 50 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit — direkt oder indirekt mit Konflikten oder deren Folgen verbracht. Fehlzeiten durch betriebliche Ängste und Mobbing belasten Unternehmen jährlich mit rund 30 Milliarden Euro; ein einzelner Mobbing-Fall kostet im Schnitt 60.000 Euro. Fluktuation, Abfindungen und gesundheitsbedingte Ausfälle infolge interner Konflikte summieren sich auf mehrere Milliarden Euro jährlich. Und: 25 Prozent des Umsatzes hängen von der Qualität der Kommunikation im Unternehmen ab.

Am teuersten sind gescheiterte und verschleppte Projekte. Jedes zweite befragte Unternehmen gibt dafür ungeplant mindestens 50.000 Euro pro Jahr aus — jedes zehnte sogar mehr als 500.000 Euro. KPMGs eigene These dazu: Mindestens ein Viertel dieser Konfliktkosten lässt sich einsparen.

In der KPMG-Studie 2009 wurden die Daten von 111 Unternehmen ausgewertet. KPMG findet neun Konfliktkosten-Bereiche, die sie im: „Circle of conflict“ von Person, Team und Organisation zusammenfassen. In allen drei Bereichen entstehen ungeplante Einbußen durch Konflikte in unterschiedlicher Höhe. „Die meisten Unternehmen tun sich schwer, konkrete Zahlen zu nennen.“2

Ein Beispiel aus der Praxis

Eine Führungskraft beauftragt eine externe Konfliktmoderation für ihr Team — offiziell, um „die Zusammenarbeit zu verbessern“. Im Auftragsklärungsgespräch zeigt sich schnell: Zwei Teammitglieder sprechen seit Wochen nicht mehr direkt miteinander. Projektabsprachen laufen über Umwege, E-Mails werden in cc an Dritte verschickt, Entscheidungen verzögern sich.

Auf dem Papier ist das ein Kommunikationsproblem. Tatsächlich kostet es das Unternehmen jede Woche mehrere Arbeitsstunden — bei beiden Beteiligten, bei allen, die in cc stehen, und bei der Führungskraft, die zunehmend Zeit damit verbringt, zwischen den beiden zu vermitteln, ohne dass es ihre Aufgabe wäre. Auf ein Jahr gerechnet, ist das genau die Art von Kosten, die in keiner Bilanz auftaucht — aber in der KPMG-Studie eben doch sichtbar wird.

Die unsichtbaren Kosten auf persönlicher Ebene

Konfliktkosten zeigen sich nicht nur in Bilanzen — sie zeigen sich auch in den Menschen selbst. Die Weltgesundheitsorganisation hat Burnout 2019 erstmals offiziell als Syndrom definiert und unter ICD-11 in das internationale Klassifikationssystem der Krankheiten aufgenommen: als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wurde. Drei Dimensionen kennzeichnen Burnout laut ICD-11: ein Gefühl von Erschöpfung, eine zunehmende innere Distanz zum eigenen Job, und ein verringertes berufliches Leistungsvermögen.

In der Praxis sind ungelöste Konflikte — innere wie äußere — häufig die eigentliche Ursache hinter solchen Krankheitsbildern. Was als individuelles Gesundheitsproblem erscheint, hat seinen Ursprung oft in einer ungelösten Konfliktdynamik im Team oder in der Organisation.

Konfliktkosten im Unternehmen - Andrea von Graszouw

Warum Führungskräfte besonders betroffen sind

Der gesellschaftliche und technologische Wandel verläuft schnell — und stellt Geschäftsmodelle infrage, die lange als sicher galten. Unternehmen, die den Anschluss verpassen, verlieren Marktanteile oder geraten in existenzielle Schwierigkeiten. Der Druck, der daraus entsteht, landet zuerst bei Vorständen, Geschäftsführungen und Führungskräften — mit Erwartungen, die das menschlich Vertretbare oft übersteigen. Die Führungskraft von heute sitzt mehr denn je auf einem Schleudersitz.

Diese Belastung verschärft genau die Konfliktdynamiken, die in der KPMG-Studie sichtbar werden: Wer 30 bis 50 Prozent der eigenen Arbeitszeit mit Konflikten verbringt, hat weniger Kapazität für die eigentliche Aufgabe — die Zukunftsentwicklung des Unternehmens. Eine Kommunikationskultur, die dieses Zukunftsmanagement unterstützt, wird damit nicht zur Nebensache, sondern zur Voraussetzung.

Was modernes Konfliktmanagement verändert

Konfliktmanagement und Wirtschaftsmediation setzen genau an dieser Stelle an: Sie machen Konfliktkosten sichtbar und bearbeitbar, bevor sie sich in Fluktuation, Fehlzeiten oder gescheiterten Projekten materialisieren. Eine Unternehmenskultur, die diesen Umgang aktiv gestaltet, wird zunehmend auch nach außen als Wettbewerbsvorteil wahrgenommen.

Der entscheidende Vorteil externer Unterstützung liegt in der Position selbst: Wer nicht Teil des Systems ist, steht in keiner Abhängigkeit zum Auftraggeber und verfolgt keine eigene Agenda. Diese Unabhängigkeit ermöglicht eine Allparteilichkeit, die intern kaum herzustellen ist — und genau diese Distanz wird von Führungskräften, die selbst unter Druck stehen, häufig als spürbare Entlastung erlebt: Sie gewinnen Zeit und Energie für das zurück, was eigentlich ihre Aufgabe ist.

Der Beginn eines Mandats

Wenn Konfliktkosten in Ihrer Organisation nicht länger unsichtbar bleiben sollen, sondern sichtbar und bearbeitbar werden, beginnt das mit einem Gespräch.

Gespräch vereinbaren

Quellen

KPMG Konfliktkostenstudie: Die Kosten von Reibungsverlusten in Industrieunternehmen → PDF

WHO/ICD-11, Burnout-Definition (2019) → Spiegel-Artikel

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