
Narzissmus im Management
Fluch und Segen — und was Organisationen daraus lernen können
„Er ist alles, die Welt ist nichts — oder vielmehr: Er ist die Welt.“ — Erich Fromm
Narzissmus im Management stellt Unternehmen vor eine paradoxe Herausforderung: Die Eigenschaften, die jemanden an die Spitze bringen, sind oft genau die, die später am meisten Schaden anrichten.
Die Welt verändert sich schnell. Unternehmen, die den Anschluss verpassen, verlieren Marktanteile — manchmal die gesamte Existenz. Der Druck auf Führungskräfte ist enorm. Und unter Druck zeigt sich Charakter — auch der narzisstische.
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Was narzisstische Manager antreibt
Manager mit stark ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitsanteilen streben nach Macht, Einfluss, Anerkennung und Status — mit einer Intensität, die andere oft überrascht. Einmal an der Spitze angekommen, wird der Erhalt dieser Position zur obersten Priorität. Narzissmus im Management zeigt sich genau hier zum ersten Mal: in der Angst vor dem Verlust dieser Bühne.
Was die Forschung zeigt
Eine Studie der Berkeley Haas School of Business (Chatman, O’Reilly, Doerr) hat untersucht, was narzisstische Führungskräfte mit Unternehmenskulturen machen — und die Ergebnisse sind eindeutig: Narzisstische Manager „infizieren“ die Kultur ihrer Organisation. Mit dauerhaften Folgen — selbst nachdem sie das Unternehmen längst verlassen haben.
Die Forscher fanden: Führungskräfte mit hohen Narzissmus-Werten sind weniger kooperativ und weniger ethisch — und die Kulturen, die sie führen, werden es auch. Das geschieht nicht, weil Mitarbeiter den Chef imitieren. Es geschieht, weil narzisstische Manager bestimmte Richtlinien einfach nicht einführen: klare Regeln für ethisches Verhalten, für Interessenkonflikte, für Lohngleichheit, für Teamarbeit. Und sie versäumen es, Fehlverhalten zu sanktionieren — manchmal wird es sogar belohnt.
Das Ergebnis: Eine Kultur, die kollektive Erfolge erschwert, in der Lernen und Wachsen verkümmert, und in der Vertrauen zur Mangelware wird.
Eine zentrale Erkenntnis der Forscherin Jennifer Chatman: Visionäre, erfolgreiche Führung braucht keinen Narzissmus. Vertrauen, Innovation und Selbstsicherheit sind möglich — ohne sich selbst über alles zu stellen, andere auszunutzen und blind für Risiken zu sein.
Narzissmus im Management — Chancen und Risiken
Kurzfristig kann ein Unternehmen von narzisstischen Führungspersönlichkeiten profitieren: Zielstrebig, belastbar, erfolgsorientiert — sie liefern Ergebnisse, oft schneller als andere.
Langfristig zeigt sich die Kehrseite: Überhöhtes Risikoverhalten, Selbstüberschätzung, vertuschte Fehler. Das „böse Erwachen“ kommt oft Jahre später — und der Manager verlässt das Unternehmen „im gegenseitigen Einvernehmen“, um anderswo erneut aufzutauchen.
Für die Belegschaft ist die Zeit dazwischen oft die schwierigste: Das Unternehmen dient nicht mehr der gemeinsamen Sache — es dient dem Selbstzweck einer Person. Manipulation, Schuldzuweisungen und emotionale Erpressung werden zum Alltag. Mobbing und Bossing finden fruchtbaren Boden.
Was Organisationen daraus lernen können
Die gute Nachricht: Narzissmus im Management ist kein unausweichliches Schicksal. Es ist eine Frage der Auswahl, der Strukturen — und des Mutes, genauer hinzuschauen.
Gremien und Stakeholder tragen bei der Besetzung von Führungspositionen eine besondere Verantwortung. Fachliche Kompetenz allein reicht nicht. Menschliche Reife, Empathiefähigkeit und ein gesundes Konfliktverhalten müssen genauso in die Entscheidung einfließen.
Konkret bedeutet das: regelmäßige Supervision für Führungskräfte, fest verankert in Anstellungsverträgen. Echten Austausch zwischen Gremien und Belegschaftsvertretung — nicht nur einmal im Jahr, sondern kontinuierlich. Und den Mut, genauer hinzuschauen als nur auf den schöngefärbten Lagebericht.
Was wäre, wenn Organisationen Führung so gestalten, dass sie nicht von der Persönlichkeitsstruktur Einzelner abhängt — sondern von Strukturen, die gute Führung wahrscheinlicher machen als schlechte?
Genau hier beginnt Organisationsarchitektur. Und genau hier setze ich an — wenn Gremien eine Besetzung überdenken, wenn eine Unternehmenskultur ins Kippen geraten ist, oder wenn jemand einfach merkt: So, wie es gerade läuft, kann es nicht bleiben,
Was Sie jetzt tun können
Sie möchten narzisstische Dynamiken besser verstehen und konkret handeln?
Sie stecken gerade mitten in einer solchen Situation?
